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ABS – Wenns stabil werden muss

Was ist ABS?

ABS bzw. Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere zählt neben PLA zu den am weitesten verbreiteten Materialien im 3D Druck. Aber nicht nur im 3D Druck wird ABS eingesetzt. Aufgrund der hohen Schlagfestigkeit und leichten Verarbeitbarkeit wird es gerne als Gehäuse für Elektroprodukte und für Formteile verwendet. Selbst aus jedem Kinderzimmer ist ABS in Form von bunten Lego-Steinen nicht mehr wegzudenken. Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass ABS seinen Erfolgszug im 3D-Druck-Bereich fortsetzt.

Eigenschaften

Allgemein

  • Langlebig und witterungsbeständig
  • mäßig UV-beständig (ASA als Alternative)
  • Geringes Gewicht (~1,03g/cc)
  • Nicht lebensmittelecht
  • Geruchsbildung beim Druck (für ausreichend Frischluft sorgen!)
  • Neigt zu Warping (-> Heizbett und geschlossener Druckraum benötigt!)
  • Schrumpft beim Abkühlen um 1,5-2,5%
  • Formstabil bis 95°C
  • Geringe Feuchtigkeitsaufnahme
  • Hohe chemische Beständigkeit

Mechanisch

  • Hohe Oberflächenhärte
  • Schlechte Steifigkeit, eher zäh
  • Mäßige Zugfestigkeit
  • Hohe Schlagfestigkeit

Verarbeitung

ABS wird gerne als Einsteigerfilament bezeichnet, obwohl das Drucken nicht ganz einfach ist. Für den Druck ist auf jeden Fall ein beheiztes Druckbett Pflicht. Ein geschlossener (beheizter) Druckraum wird auch wärmstens empfohlen.

Die Druckparameter sind von Hersteller zu Hersteller und von Drucker zu Drucker verschieden. Allgemein gilt: Die Nozzle-Temperatur beträgt in der Regel 245°C bis 270°C. Das Druckbett sollte auf 90°C bis 115°C aufgeheizt werden. Beim Druck sollte der Bauteillüfter nicht eingeschaltet werden, da dies den Verzug innerhalb des Materials begünstigt. Darüber hinaus ist wegen der entstehenden Dämpfe auf eine ausreichende Lüftung zu achten. Eine Luftfilteranlage wird empfohlen.

ABS neigt sehr gerne zu Warping. Dem kann man mit einer höheren Betttemperatur bzw. einem geringeren Temperaturunterschied zwischen Düse und Heizbett und einem Aufrauen und Reinigen der Druckplatte entgegenwirken. Konstruktiv kann das Modell auch angepasst werden. Dabei sollte man auf möglichst wenig Füllung und einer möglichst großen Auflagefläche auf dem Druckbett setzen.

Einsatzmöglichkeiten

Wie in der Einführung schon angeklungen ist, kann ABS für nahezu jeden Einsatzzweck verwendet werden. Aufgrund der etwas schwierigeren Verarbeitung im Vergleich zu PLA und PETG empfiehlt es sich, das Material nur zu verwenden, wenn man die Vorteile des Filaments ausnutzt. Dazu zählen Objekte, die möglichst stabil sein sollen oder hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Für den Außenbereich ist ABS wegen der geringen UV-beständigkeit weniger zu empfehlen.

Vorurteile über ABS

ABS ist nachhaltig, da recycelbar

Das ist nur halbrichtig. Zum einen sollte man den Begriff Nachhaltigkeit nicht nur auf das Recycling beziehen, sondern auch auf die Herstellung. ABS wird aus fossilen Rohstoffen hergestellt, was nicht im Sinne der Nachhaltigkeit ist. Zum anderen sollte man den Begriff recycelbar differenziert betrachten. Ja, ABS ist de facto sehr gut recycelbar, aber nur für Industrieabfälle. Bringt man als Privatperson ABS zum Wertstoffhof, wird dieses in den Sack mit der Nummer 7 einsortiert, der für alle Materialien verwendet wird, die nicht den anderen Kategorien zuzuordnen sind. Oder mit anderen Worten: Jeder Kunststoffabfall mit Recycling-Code 7 wird nicht recycelt.

Besonders aufpassen sollte man bei...

Zusammengefasst ist ein beheiztes Druckbett das A und O im Umgang mit ABS. Auch ein geschlossener und beheizter Druckraum können Probleme beim Drucken lösen. Darüber hinaus sollte man wegen der unangenehmen und auch giftigen Dämpfe auf einen sehr gut gelüfteten Raum. Hat man keine Luftfilteranlage, sollte man sich so wenig wie möglich im gleichen Raum mit dem Drucker aufhalten. Bei der Konstruktion des Bauteils sollte auf eine möglichst große Auflagefläche auf der Druckplatte und wenig Füllung geachtet werden, um Warping zu verhindern. Außerdem sollte man das Objekt etwas größer skalieren, da ABS während des Abkühlens um 1,5-2,5% schrumpft.

Beachtet man diese grundlegenden Punkte, wird man mit einem sehr stabilen und vielseitig verwendbaren Druck belohnt.

ABS oder doch ein anderes Filament?

Gerade als 3D-Druck-Anfänger ist man schnell überfordert mit der nahezu unendlichen Auswahl an Materialien. Jedes Filament hat seine eigenen Stärken und deshalb auch seine Daseinsberechtigung. Aber es gibt auch Allrounder, die man für viele verschiedene Zwecke einsetzen kann. Diese Auflistung soll einen kleinen Überblick über die verschiedenen Stärken und Schwächen jeder Sorte liefern.

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